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Nordstrand ist immer einen Besuch wert. Hier ein Ausschnitt zu Nordstrands faszinierender Geschichte.

Nordstrand, die (Halb-)Insel im nordfriesischen Wattenmeer, ist verbunden mit einem Landdamm und daher jederzeit erreichbar.

In seinem Buch „Nordstrand nach 1634 – Die wiedereingedeichte nordfriesische Insel“ schildert Karl Kuenz auf den Seiten 18 bis 24 anhand der Nordfresischen Chronik von Anton Heimreich die damalige Größe der Insel Nordstrand sowie Begebenheiten und was sich in jener Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 1634 zugetragen hat:

Das heutige Nordstrand ist nur ein kleiner Teil einer vor Jahrhunderten viel größeren Insel dieses Namens. Das alte Nordstrand, kurz auch „der Strand“ genannt, galt als die Königin Nordfrieslands.

Etwa 3-4 mal so umfangreich zog sich sein Außendeich, die Gestalt eines großen Hufeisens umschließend, etwa vom heutigen Süderhafen über Pohnshalligkoog bis zur Hamburger Hallig, dann westwärts nahe Habel und Gröde und Hooge vorbei nach Pellworm, lief ein gutes Stück draußen vor dem heutigen Seedeich von Pellworm einher und um diese Insel herum, zog sich nach Norden ein in einem großen Bogen um das bereits i. J. 1362 im Meer versunkene, sagenumwobene Rungholt herum und ließ so eine große Bucht zwischen dem heutigen Pellworm und der Trendermarsch auf Nordstrand. Diese beiden Inseln waren also bis 1634 zu einer einzigen verbunden durch eine gewaltige Landbrücke im Norden, in deren Mitte etwa das „Hohe Moor“, d.i. das heutige Nordstrandischmoor lag. Mehr als 44.000 Demat = 22.000 ha zählt der alte „Strand“ mit über 9.000 Einwohnern und 21 Kirchen. Schon planten die Nordstrander, die Rungholtbucht durch ein gewaltiges Vorhaben, einen Deich von Pellworm über die Hallig Südfall hinweg zur Trendermarsch, dem Meer wieder abzugewinnen, da brach das Schicksalsjahr 1634 herein mit der ungeheuren Sturmflut in der Nacht vom 11. zum 12. Oktober.

Es gibt darüber verschiedene Berichte von Augenzeugen. Einer von ihnen ist der Magister Anton Heimreich, der uns in seiner „Nordfresischen Chronik“ anschaulich jene Schreckensnacht schildert. Er war damals 8 Jahre, Sohn des Pastors Johannes Heimreich Walter in der Trendermarsch, von 1611-1639, gest. 1664. Der Chronist Anton Heimreich wurde 1652 Pastor auf der Hallig Nordstrandisch-Moor, bis er 1685 starb. Er gab 1670 ein „Beschriebenes Land-Recht des Nord-Strandes“ im Druck heraus.

Es war mitten im Dreißigjährigen Krieg. Der 11. Oktober 1634 war ein Sonntag. Im Kalender stand der Name Burchard verzeichnet. Des Tages über geschah nichts besonderes. Das Wetter war schön und still gewesen wie manchmal im Frühherbst. Doch nun begann es sich zu ändern.

In der Frühe des 11. Oktobers fiel Regen. Dann klarte es wieder auf. Bis 10 Uhr schien die Sonne. Zu gewohnter Zeit begaben sich die Leute in die Gotteshäuser, die von Odenbüll, Trendermarsch, Ham, Morsum, Gaikebüll, Pellworm und wie sie sonst noch hießen. Nichts ahnend sprach man über das Wetter, wohl auch über die böse Zeit und den schrecklichen Krieg. 16 Jahre tobte er schon in deutschen Landen und immer noch war der Friede nicht in Sicht. Fremde und eigene Heere, Schweden, Franzosen, Spanier, Kroaten zogen durch Deutschland, raubten, plünderten, mordeten, brandschatzten.

Auch Nordstrand war bedroht gewesen. 1627 hatten kaiserliche Truppen Tillys und Wallensteins Eiderstedt und die Umgebung von Husum arg bedrückt. Auf Anordnung des Herzogs Friedrichs III. von Schleswig-Gottorp sollten 2 Kompanien kaiserliche Truppen auf dem „Strand“ einquartiert werden. Dagegen wehrten sich die Nordstrander, 3.000 Mann, mit den Waffen in der Hand. Sie gehorchten dem Befehl des Herzogs, der selber erschien, nicht, ihre Waffen abzulegen. Der Herzog soll bei seiner Abfahrt die Insel verflucht haben: „Möge sie so tief unter Wasser versinken, wie sie sich jetzt darüber erhebt.“

Schrecklich sollte dieser Fluch in Erfüllung gehen! Hatten sich die Strandiger der feindlichen Truppen glimpflich erwehren können, so sollten sie bald dem noch schlimmeren Feind vom Westen her zum Opfer fallen. Schon in den vergangenen Jahren hatte ihnen der alte Erbfeind, der blanke Hans, viel zu schaffen gemacht. Die gefährdetste Stelle war im Westen der Rungholtbucht.

Hier hatte sich das Meer im Fall-Tief, zwischen Südfall und Pellworm durch, eine gute Angriffsmöglichkeit geschaffen. Die dort liegenden Kirchspiele Brunock, Ilgrof, Stintebüll waren ständig bedroht und hatten schon viel zu leiden gehabt. In unverantwortlicher Weise wurden hier die Schäden am Außendeich nicht wieder in Ordnung gebracht. Dadurch war aber die ganze Insel bedroht. Das wollten aber die Bewohner der anderen, namentlich der Binnenköge nicht begreifen. Sie brachten den bedrängten Bruderkögen keine Hilfe, sondern vertrauten auf die Stärke ihrer eigenen Binnen- und Mitteldeiche.

Um die Befehle des Fürsten kümmerte man sich auch nicht. So wurden in einer zweimaligen Flut i. J. 1615 nicht nur bedrohte Kirchspiele, sondern fast ganz Nordstrand, mit Ausnahme der Trendermarsch, Pellworms und einiger anderer Köge, überflutet. Die Kirchen in Brunock und Stintebüll stürzten ein. Nun endlich raffte man sich zu gemeinsamer Arbeit auf. Aber ehe das Werk beendet war, war schon wieder Zank und Streit im Gange.

Schließlich glaubte man die Deiche in Ordnung gebracht zu haben. Als das Jahr 1634 kam, fühlte man sich sicher und geborgen. Heimreich berichtet, daß Ocke Levsen im Nordstrand sich äußerte: Man habe nun einen eisernen Deich. Und Iven Acksen zu Rödemis sagte, man könne nun sicher hinter den Deich schlafen. Ja, der Deichgraf von Risummohr stieß nach verfertigtem Deich, auf diesem trotzend, seinen Spaten in den Deich und sagte vermessentlich: „Trutz nun, blanke Hans!“

So dachte man nicht an die Gefahr, als im Verlaufe des 11. Oktobers 1634 mit Wolken und Regen ein stärkerer Wind sich aufmachte. Um 8 Uhr abends brauste der Sturm aus Südwest und wandte sich in der Nacht nach Nordwest. Das bedeutete höchste Gefahr. Wohl um 10 Uhr geschah der erste Wassereinbruch in den Stintebüller Koog. Es war finstere Neumond-Nacht, und es gab eine Springflut, wie sie bei Mondwechsel eintreten kann. D.h. die vorhergegangene Flut lief nicht ab, sondern der Nordwestorkan staute die Wogen und sprang mit ihnen auf den Rücken der ersten Flut. Die Nordstrander erkannten die Gefahr erst, als es zu spät war. Die meisten wurden im Schlaf überrascht, als die wütenden Wogen an die Mauern schlugen. Rettung war fast unmöglich. Aus dunklen Wolken zuckten zündende Blitze, prasselten Hagel und Schauer. Das Grollen des Donners wurde vom Geheul des Orkans und vom Tosen der Wogen verschlungen. Das Wasser war über 4 Meter höher gestiegen als bei gewöhnlicher Flut. Es brach in alle Köge ein und bedeckte um Mitternacht das ganze Land.

Man kann sich diese Schreckennacht nicht grauenvoll genug vorstellen. Entsetzliche Szenen spielten sich ab. Die einen wurden in der Stube von den eindringenden Wassern ertränkt, noch ehe sie einen Plan zur Rettung fassen konnten. Den anderen stürzte das Haus über dem Kopf zusammen. Lassen wir dem Chronisten Heimreich das Wort.

„Da denn auch die finstere Nacht nicht allein die obhandene große Gefahr bey vielen hat verborgen, sondern ihnen auch alle Mittel, derselben zu entkommen, geraubet. Weshalben ihrer viele mutternackt von ihrem Bette, bey sicherem Schlafe sein weggetrieben, andere, durch Ungestümigkeit des Wetters erwecket, haben davon fliehen, oder ihre Güter retten, und seyn neben ihren Häusern und Gütern von den Wellen weggeführet worden. Derhalben viele, indem sie gesehen, daß alle Mittel zu entkommen vergebens, und sie zweifelsfrei mit ihren Hausgenossen von den Wellen würden weggeführet werden, sich und ihre Weiber und Kinder mit Stricken haben aneinander gebunden, daß wie sie alle die Natur und die Liebe vereiniget, also auch die grausamen Wellen möchten trennen. Viele haben sich mit ihren Hausgenossen auf die Dächer und Häuser begeben, und seyn auf denselben als auf einem Schiff herum geführet worden, welche aber bald von den Wellen zerschlagen, und also diese elenden Menschen elendiglich seyn von einander getrennet, daß auf einem Stücke der Vater, auf einem anderen die Mutter, auf einem anderen die zarten Kinderlein hingetrieben. Und hat es allenthalben ein jämmerliches Ansehen gehabt, maßen man gesehen, wie daß unzählich viele tote Leute herumgetrieben, Kisten und Schappen, Betten und Bettgewand, Laden und allerlei herrlicher und köstlicher Hausgeräth auf dem Wasser geschwommen, wie viele Männer, Weiber und Kinder auf Stücken Häuser, Bretter, Balken und dergleichen, neben und unter den annoch stehenden Häusern hingefahren, und Gott und Menschen um Hülfe und Errettung angeschrien.“ – Neben den Menschen trieb auch noch Vieh, Heu und Stroh umher. – „Und das ist das allergrößte Elend gewesen, daß die solches gehöret, ihnen auf ihr klägliches Jammergeschrei nicht haben können helfen, gestaltsam man keine Böte an der Hand gehabt, hätte man sie doch bey so schrecklichem Sturmwetter nicht können gebrauchen.“

„Es ist aber die Wasserfluth nicht genug gewesen, sondern es hat auch Gott der Herr viele daneben mit der Feuersruthe gestrafet, indem eines Theils aus Unvorsichtigkeit, andern Theils aus Ungestühmigkeit der Winde ihr Feuer ihre eigenen Häuser, darauf sie gesessen, und den Tod stündlich erwartet, hat eingeäschert, also daß sie einen zweifachen Tod vor ihren Augen haben sehen müssen, auch wol, wie man Exempel weiß, aus Furcht vor dem Feuer selbst ins Wasser gesprungen, und sich also ersäufet, da man sonst noch das Leben hätte retten können.“

So hoch war das Wasser gestiegen, wie in keiner Flut je zuvor. Bis zur hohen Geest hinauf war es gedrungen. Noch heute kann man an mancher festen Mauer ein Zeichen sehen und daneben gesetzt: Anno domini 1634, im Jahre des Herrn 1634. Kurze, inhaltsschwere Inschrift! Bleibende Wahrzeichen, daß die Westsee in jener Nacht hauste, wo sonst nimmer ihre Wogen rollten.

Bis zu 20 Fuß = 6 m soll die Flut über dem Erdboden gestiegen sein. Es wird vermutet, daß die Katastrophe durch ein gewaltiges Seebeben herbeigeführt sei. Jedenfalls müssen wir uns nach der Zahl der Toten vorstellen, daß nur die stärksten und höchstgelegenen Gebäude, vor allem wohl die Gotteshäuser noch aus der Flut mit ihrem Oberbau herausragten und rettende Zuflucht boten. Der Jüngste Tag schien angebrochen zu sein. Wie ein Gottesgericht war die Flut über den alten Strand hinweg gerollt.

Endlich, am Morgen des 12. Oktobers ließ der Sturm nach. Als von Osten her der blasse Tag graute, war Alt-Nordstrand gewesen. Statt der reichen, fruchtbaren, schönen Insel – eine Stätte der Verwüstung und des Grauens. Langsam tauchten die Reste der Außen- und Binnendeiche und einzelne Warften wieder aus der salzigen Flut empor. Trümmer und Ruinen, Tod und Verwesung, Jammer und Klagen, Not und Armut ließen die abziehenden Wasser zurück.

Die umliegenden Halligen eingerechnet, sind 6.408 Menschen ertrunken, unter ihnen 9 Prediger, 12 Küster und Schulmeister und ein Organist. Der Pastor Petrus Clio in Lieth hatte kurz zuvor seinen Pfarrkindern das bevorstehende Unglück vorhergesagt, ist aber selber ertrunken, wiedergefunden und christlich bestattet worden. In Morsum ertrank der Senior Pastor Jonas Friderici, weil er sich nicht schnell genug aus der Studierstube auf den Boden flüchtete.

In Evensbüll saßen die Deichrichter im Krug zusammen. Einer von ihnen hat, als er bereits auf dem Dache saß, noch Bier gefordert. Er hat bald genug zu trinken bekommen.

Der Verlust an Vieh und Tieren wird auf über 50.000 Stück geschätzt. Über Nacht war der satte, lebenstrotzende Strand zum öden Kirchhof geworden ohne Kreuze und Gräber, die Köge in seichte Seen verwandelt, auf denen Trümmer, Dachsparren, Gebälk und Haushaltsgerät trieb zusammen mit Leichen von Menschen und Tieren. Kein Kirchenbuch, kein Totenregister verzeichnet die Namen der 6.400 Toten von Altnordstrand.

Nur über ihre Zahl für die einzelnen Kirchspiele und über die darin weggetriebenen Häuser und die „behaltenen Haußwirthe und Koetner“ berichten vergilbte Blätter im Schleswiger Landesarchiv. Den wenigsten von ihnen wurde ein Grab geschaufelt. Das war die große „Mandränke“ von 1634, fast 300 Jahre nach der ersten i. J. 1362, die Rungholt mit 7.600 Menschen und 7 Kirchspielen unter sich begraben hatte.

Wohl hat die große Flut von 1634 an der ganzen Westküste von Hamburg bis Ripen Übel gewütet und viel Schaden und Vernichtung an Leben und Gut angerichtet, doch nirgends in solchem Maße wie auf Nordstrand. Mehr als 1.300 Häuser wurden zertrümmert, etwa 30 Mühlen umgeweht; von den 21 Kirchen war zwar keine ganz untergegangen, doch alle mehr oder weniger beschädigt. Dagegen waren 6 Glockentürme, wie sie frei neben der Kirche standen, umgeschlagen und ganz zerbrochen. Auf Odenbüll wurde der Westgiebel heruntergeschlagen. Der reiche Segen des Jahres 1634 an Korn und Vieh war verloren.

An 44 Stellen war der Deich gebrochen und z.T. bis auf den Grund weggeschlagen. Vier von diesen Wehlen (vom Wasser gewühlte Löcher und Rinnen), bis zu 30m breit und bis zu 9 m tief, hatte das Ungeheuer Meer aus den vier Himmelsrichtungen wie breite Krallen in die einstige Insel hineingebohrt, wie um sie als feste Beute zu behalten. Auf große Strecken hin waren die Deiche völlig verschwunden. Den ganzen Winter über lag das Land schutzlos da, dem Meer offen preisgegeben. Tag für Tag strömte die Flut zweimal über das Land hin und zurück und verdarb es mit ihren salzigen Wassern. Bald wurden auch mehr und mehr die Kirchen zerstört, soweit sie von der Flut verschont geblieben waren. Von den ehemals 20 Kirchen sind heute nur noch drei da: Odenbüll und die alte und die neue Kirche auf Pellworm. Um wenigstens zu retten, was noch zu retten war, wurden von den bei jeder Flut umspülten Gotteshäusern die Bausteine und Geräte und was sonst noch wertvoll war, weggeholt. Am längsten stand noch, nämlich bis 1651, die Kirche in der Trendermarsch.

Traurig war das Los der etwa 2.600 Überlebenden. Sie waren über Nacht heimatlos, bodenlos, obdachlos, mittellos geworden. Nur ein Teil davon blieb darum auf der alten Scholle, Haus und Warft ausbessernd, nun den Halligbewohnern gleich geworden, sich von salzen Gräsungen nährend.

Über die Kirchen in Morsum berichtet Staller v. Bestenborstel am 27. 9. 1637 an den Herzog: In der Nacht vom 22. und 23. September stürzte der Mohrsumer Kirchturm „so ein herrliches Gebäude und eine Zierde des ganzen Landes gewesen“, an der Südwesth.rn nieder. Die Spitze schoß nach und liegt zerschmettert auf dem Kirchhof und im Kirchengraben. Weil die beiden Glocken noch im Turm hängen blieben, das Mauerwerk aber rissig ist, steht zu befürchten, daß die Glocken herabfallen und zunichte werden; Sie sollen darum herabgenommen werden. Die Unkosten sollen durch Verkauf von Mauersteinen gedeckt werden. „Sonsten stehet es sehr erbärmlich hin und wieder mit den Kirchen im Lande zu, und fällt eine nach der anderen herunter.“ – Man liest, daß „die annoch vorhandenen Häuser im Strande itzo so ganz häufig werden niedergerissen, hinweg geführt und um ein ganz schweres Geld verkauft, ja mehrenteils von boshaftigen Leuten und denen ganz wenig oder nicht davon gehörig“ und die wohnen Gebliebenen bitten, daß Vorschriften dagegen erlassen werden.

Die „armen, h.chstbetrübten noch lebenden Einwohner des Strandes“ richten Hilferufe an den Herzog in Gottorp. So bittet ein 80jähriger Bauer Boye Wunnincksen, der ehedem 100 Demat Land zu Odenbüll besaß, nun aber alles verloren hat, verletzt ist und taub, für sich und seine arme, fast blinde 70jährige Hausfrau um einen Bettelbrief, damit er von Tür zu Tür gehen und um Christi willen um ein Stückchen Brot bitten darf.

Eine herzerschütternde Vorstellung des Jammers können wir uns aus dem am 5. Januar 1639 geschriebenen Bittbrief des „Johannes Martini, annoch aushaltender Pfarrer“ (und elender Bastard) in Buphever, machen. Er schildert seine Lage so: „Dazu sitze ich nicht im Truckenen Kooge zu Pellworm, sondern im salzen Kooge zu Buphever, da man Tag und Nacht mit großen Schiffen, Kähnen und Booten segeln und fahren muß; derer ich (leider) keines habe und gebrauchen kann, bin also ein armer gefangener Prediger mit Frau und Kindern, vom saltzen Wasser umgeben, muß mit aufgehobenen Händen rufen und schreien, wenn ein Schifflein vorüber fährt: „Ach, ach, kommet und helfet mir“. Dazu habe ich (leider, leider) mit den Meinen einen betrübten Weihnachten gehabt. Das vierte Teil von unser Neuen Kirchen fiel vom bösen Wind, dazu das Dach meines Hauses ist vom salzen Meerwasser und Sturmwinde eingerissen und verdorben; sitze nun bald unter dem blauen offenen Himmel, zwischen zwei Bretterwänden, so hat uns der liebe Gott das neue Jahr ausgeteilt. So ist ihm seine Kirchwarft zur umspülten Hallig geworden, wo er bis zum Tode ausharrt.

Um einen Bettelbrief geht es auch für Witwe Moder Hanßes „aus dem so trostlosen Land Nordstrand“. Sie verlor 17 Kinder, teils in der großen Flut 1634.

Hans Brodersen aus dem Kirchspiel Bupschlut und Wolt Nummensen aus dem Kirchspiel Lith zeigen Februar 1639 an, daß sie Nordstrand verlassen, weil doch keine Hoffnung auf Eindeichung besteht, und wollen sich in Eiderstedt und Hattstedt als Landheurer niederlassen. Ein Teil zog sich auf das höher gelegene Moor in der Mitte der früheren Insel zurück und lebte z. T. vom Fischfang. Ein gut Teil ließ sich in Holland nieder als Handwerker oder zur See fahrend.

Andere wanderten auf die Nachbarinseln aus oder aufs Festland, sogar bis in die Ukermark, und andere waren so seltsam in der Welt zerstreut. Zwar hatte der Herzog schon anfangs März 1635 einen Befehl erlassen, daß keiner auswandern dürfe und daß alle Ausgewanderten wieder zurückkehren mü.ten, andernfalls sie aller ihrer Güter für verlustig und als Abtrünnige gehalten werden sollten. Viele aber ließen sich dadurch nicht abschrecken, und es bleibt ungewiß, wieviele von den etwa 2.500 überlebenden Altnordstrandern ihrer alten Heimat treu blieben. In den folgenden Jahren fehlte es nicht an Versuchen, die Löcher und Wehlen an den Deichen zu stopfen, etliches Land, wie etwa die Trendermarsch, wieder einzudeichen. Aber selbst strenge Befehle des Herzogs an die im Lande Verbliebenen nützten nichts. Schließlich war das viele, für die Wiedereindeichung verwandte Geld buchstäblich ins Wasser geworfen. Nur den Pellwormern gelang es, von 1637 bis 1688 mehrere Köge wiederzugewinnen, allerdings nicht, ohne daß im Süden und Westen viel von dem alten Land vor den neuen Deichen gelassen werden mußte. Dabei machte sich der Holländer Cornelius Jansen Albers sehr verdient. Das übrige Gebiet blieb 20 Jahre lang den täglichen Fluten des Meeres preisgegeben, die das Werk der Zerstörung fortsetzten.

Da die Zurückgebliebenen zu verarmt waren, ihre Arbeit mit letzten Mitteln nur Stückwerk blieb, das der „blanke Hans“ bald leicht wieder zunichte machte, und während der Herzog ihnen die erforderliche gro.zügige Hilfe versagte, faßte er doch von vornherein die Beteiligung ausländischer, nämlich holländischer Unternehmer, an der Wiedergewinnung Nordstrands ins Auge. Waren doch in Holland die Verhältnisse den hiesigen gleich: Das Land lag niedriger als der Wasserspiegel bei gewöhnlicher Flut und mußte durch Deiche gesichert werden. Und waren doch die Holländer als tüchtige Deichbaumeister bekannt und berühmt und als solche schon früher auch nach Nordfriesland geholt worden. Obwohl der Herzog schon von 1636 an verschiedene Verhandlungen mit einzelnen holländischen Männern wie auch mit den Generalstaaten führte, kam ein Ergebnis erst zustande, als weitgehende Vorrechte und Vergünstigungen zugesichert wurden. In den folgenden Jahren führte der Herzog verschiedentliche Verhandlungen mit im Deichbau erfahrenen holländischen Unternehmern, die sich aber nur, unter Verlust kostbarer Zeit, hinzogen und ergebnislos blieben. – Schließlich wandte sich der Herzog um Hilfe an die „hochmögenden Staaten der vereinigten Niederlande“. I.J. 1641 wurde der „Hochheimrat des Wasserwesens (Deichgraf ) von Dordrecht“ Franciscus in der Velden beauftragt, den Zustand Nordstrands festzustellen. Nach seinem Bericht kamen die niederländischen Stände gleichwohl nicht zu einem Übereinkommen mit dem Herzog. Aber „so hat doch solches so viel geschafft, daß gemeldeter Deichgraf seinen Söhnen diese Sache A. 1646 auf seinem Todtbette recommendiret (empfohlen) und ihnen geraten, daß sie sich sollten bemühen, solches Deichwerk an sich zu bringen.“ Es gingen aber nochmals 5 Jahre verloren, bis sein Sohn Quirinus Indervelden, Deichgraf aus Valerien in Flandern, Nordstrand i.J. 1651 aufsuchte und besichtigte. Er gewann seine Brüder und andere Verwandte zu Mitbeteiligten, und jetzt endlich kam es i.J. 1652 (nach 18 Jahre währender Überschwemmung des Landes) zu einem Vertrag, dem sogen. Oktroi, zwischen dem Herzog und den vier Niederländern Alewijn van der Woert, Abraham van der Wercken, Quirinus Indervelden und Joseph de Smit.